Single services

Das Reizdarmsyndrom (RDS) bzw. ein Reizmagen zählt zu den funktionellen gastrointestinalen Störungen (FGIS) und kommt weltweit bei etwa 20 % der Bevölkerung vor.
Etwa 20–50 % der Betroffenen suchen deswegen ärztliche Hilfe. Die Erkrankung ist mit einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität verbunden.
Die Symptome stehen häufig in Zusammenhang mit Stress, Angst, Depression, Schmerzen oder Durchfall und können durch diese Faktoren verstärkt oder ausgelöst werden. Studien zeigen, dass psychotherapeutische Behandlungen – insbesondere Hypnose – deutlich wirksamer sind als eine rein medikamentöse Therapie.

Typische Symptome

Ein Reizdarmsyndrom liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit vor, wenn:

  • chronischer Bauchschmerz besteht, der sich nach dem Essen verstärkt und sich nach der Stuhlentleerung bessert oder verschwindet
  • Durchfall, Verstopfung oder ein Wechsel beider Formen auftritt
  • Blähungen, Völlegefühl, Schleimabgänge und das Gefühl einer unvollständigen Entleerung bestehen

Der Leidensdruck ist oft enorm, obwohl medizinische Untersuchungen meist unauffällige Befunde zeigen.

Wie entstehen funktionelle Magen-Darm-Beschwerden?

Wissenschaftliche Modelle zeigen, dass bei funktionellen gastrointestinalen Störungen eine Überempfindlichkeit des Verdauungstraktes besteht. Betroffene reagieren übermäßig auf normale Reize wie Nahrung, Gase oder Stress. Schon eine normale Dehnung der Magen- oder Darmwand kann Schmerzen, Krämpfe, Durchfall oder Völlegefühl auslösen.
Diese Überempfindlichkeit kann unter anderem entstehen oder verstärkt werden durch:

  • langanhaltenden oder wiederkehrenden Stress
  • frühere Magen-Darm-Infektionen
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten (z. B. Laktoseintoleranz)

Stress beeinflusst die Darmtätigkeit auch bei Gesunden – bei Menschen mit Reizdarmsyndrom fällt diese Reaktion jedoch deutlich stärker aus. Über die sogenannte Gehirn-Darm-Achse (Brain-Gut-Axis) wird deutlich, dass biologische, psychische und soziale Faktoren gemeinsam wirken (biopsychosoziales Modell).
Viele Betroffene entwickeln im Verlauf Ängste oder depressive Symptome und nicht selten auch die Sorge, an einer schwerwiegenden Erkrankung wie Krebs zu leiden. Umso wichtiger ist eine gute Aufklärung und das Verständnis, dass die Beschwerden real sind und wissenschaftlich erklärbar.

Psychotherapeutische Behandlung

Psychotherapien zeigen beim Reizdarmsyndrom eine deutlich bessere Wirkung als alleinige medikamentöse Behandlungen. Untersucht wurden unter anderem Verhaltenstherapie, psychodynamische Therapie, Entspannungsverfahren und Hypnotherapie. Besonders wirksam ist die sogenannte gut-directed Hypnose (verdauungstrakt-gerichtete Hypnose).
Diese spezielle Form der Hypnose wurde in Manchester entwickelt und ihre Wirksamkeit in zahlreichen Studien belegt. Unter Hypnose können sich Magen-Darm-Funktionen messbar verändern: Die Beweglichkeit des Darms wird reguliert, die Schmerzverarbeitung verändert und die Überempfindlichkeit des Verdauungstraktes nachweislich reduziert.

Ablauf der Behandlung

Die Behandlung erfolgt in mehreren Sitzungen. Als besonders wirksam haben sich etwa 12 Sitzungen zu je 50 Minuten, einmal wöchentlich über ca. drei Monate, erwiesen. Ziel ist eine nachhaltige Symptomlinderung, eine verbesserte Körperregulation und ein gestärktes Gefühl von Kontrolle und Sicherheit.
Ein wichtiger Teil der Therapie ist zudem das gemeinsame Erarbeiten individueller Auslöser und Belastungsfaktoren, um langfristig besser mit den Beschwerden umgehen zu können.